Montag, Dezember 05, 2005

Du könntest Deutschland sein...

Die Kampagne „Du bist Deutschland“ hat bisher viel ausgelöst, allerdings eher im Sinne von Kollateralschäden, als dass Sie ihre „Ziele“ – ein sich selbst bewussteres Deutschland – wirklich erreicht hätte. Von Anfang an hat die Kampagne überwiegend Hohn und Spott geerntet. Der trockene, verzweifelte Zynismus einer gebeutelten Nation am Rande des permanenten Angstzustandes.

Als der Orkan der Spottwellen schon fast wieder abgeflaut war auf ein leichtes, vereinzelt auftauchendes Lüftchen, der nächste Schlag ins Gesicht, und der saß richtig. Aus einem Buch über die Geschichte Ludwigshafens im 20. Jahrhundert. Ein fieses Hitlergesicht und darunter ein Transparent: „Denn Du bist Deutschland“.1


Die Ziele der Aktion sind sicher nichts schlechtes, aber wenn man solche Slogans wie“Du bist Deutschland“ verwendet, sollte man schon von Anfang an darauf gefasst sein, dass Vergleiche mit rechtsradikalen Parolen auftauchen können. Da sollten wir uns nichts vormachen. Das haben haben sich die Macher der Kampagne auch gedacht und sind von Anfang an in die Offensive gegangen und haben erklärt, dass sie keinerlei nationalsozialistisches Gedankengut verbreiten, noch dazu aufrufen wollten.

Dumm nur, dass man nicht alles weiß, was in irgendwelchen Büchern irgendwo geschrieben oder abgebildet ist. Aber nichtsdestotrotz ist der Kampagne deswegen sicher nichts vorzuhalten. Das passiert oft genug und sollte bei klar denkenden Menschen nicht zu euphorischen „Ich hab's doch gewusst, das sind doch Nazis“-Ausfällen führen.

Nein, ich finde es grundsätzlich gut, dass eine solche Mutmachaktion existiert, wenn auch die Umsetzung teilweise fragwürdig ist. Warum sagen mir allerorts Stars, oder andere Personen des öffentlichen Lebens, die wenig bis keine Gründe haben, frustriert zu sein oder Existenzangst zu haben, ich wäre Deutschland. Ganz ehrlich: Ziemlich blöde Idee, obendrein nervig.

Warum, so frage ich mich, warum nimmt man nicht die Menschen von der Straße, die man auch anspechen will? Warum immer bekannte Gesichter? Trifft Herr Schmidt von nebenan nicht viel eher den Nachbarn von nebenan?

Naja, wie auch immer, vielleicht kommt das ja (nicht nur in einer Fotogalerie auf der DbD-Seite)...

1Aus: Ludwigshafen - ein Jahrhundert in Bildern; ISBN 3-924667-29-2

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