Montag, Dezember 19, 2005

Persönlichkeit vs. "The State"

Ich war schon Papst und jetzt bin ich Deutschland. So langsam habe ich Mühe meine diversen Persönlichkeiten auseinander zu halten, ehrlich. Warum sollte ich Claudia Pechstein oder Albert Einstein sein wollen, warum Xavier Naidoo oder Günther Jauch?

Warum sollte ich überhaupt das Gefühl haben wollen, irgendjemand anders zu sein?

Warum sollte ich – wenn ich ja die Kampagne bin – ein Logo haben wollen, dass aussieht wie ein Haufen Sch****e in Deutschlandfarben?

Was will uns das Logo sagen – Deutschland ist Scheiße, vergesst den Rest? Und warum verkaufen die den „Scheiß“ auch noch? Wer will den so einen Haufen-Anstecker denn haben, bzw. wer traut dich denn, so einen zu verschenken, denn einzeln kann man im Shop der Kampagne nichts kaufen.

Nett“ finde ich allerdings: Die Seite basiert auf Flash. Ein Seitenwechsel kostet durch eine wunderbare Flash-Animation mal mindestens zwei Sekunden – für Inhalte, die so lange nicht bräuchten.

Davon abgesehen: Die Zugänglichkeit der Seite hält sich damit extrem stark in Grenzen. Sind Sehbehinderte etwa nicht Deutschland? Warum sind die Seiten der Agenturen aus dem Impressum bis auf eine Ausnahme (die „technische Betreuung“) nicht barrierefrei?

Nein, ICH BIN NICHT DEUTSCHLAND und ich will's auch gar nicht sein.

Ich lebe hier, weil ich hier geboren wurde, mehr nicht. Mein Patriotismus hält sich in starken Grenzen und in den Vereinigten Staaten von Amerika würde ich wahrscheinlich als Vaterlandsverräter beschimpft, aber das ist mir egal.

Nein ehrlich. Ich lebe lieber hier als woanders, aber ich sehe unser Land den Bach hinuntergehen. Ich habe ein halbes Jahr lang zuhause sitzen und Zeitungen austragen müssen, hätte ich nicht meine Abi-Prüfungen versaut, wären wahrscheinlich anderthalb Jahre daraus geworden.

Ich kann gut darauf verzichten, Weltmeister zu sein, ich kann darauf verzichten, jeden Abend wegzugehen (was ich sowieso so gut wie nie gemacht habe). Ich kann auch darauf verzichten, das große Geld zu verdienen, solange es zum Leben reicht.

Vielleicht war es das, was Schröder nie verstanden hat: Es gab, gibt und wird keine geben – mangelnde Reformakzeptanz. Das Problem ist doch folgendes: Wenn ich Einschnitte auf der einen Seite hinnehme, dann erwarte ich auch, dass auf einer anderen Seite etwas passiert. Genau das hat die rot-grüne Regierung aber nicht zustande gebracht.

Schröder hatte ein Volk von Menschen, die gewillt waren, Einschnitte hinzunehmen, solange sich damit die Gesamtsituation verbessern lässt. Er hat eine Chance verspielt und eine zweite bekommen. Die hat er dann dieses Jahr, genauso leichtsinnig wie das erste Mal, auf's Spiel gesetzt und gedacht, wenn ich nur mutig bin, reicht das, ich gewinn' schon und bleib noch ein Jahr – oder fünf oder so.

Vielleicht hätte ihm jemand erklären sollen, dass Mut alleine in der Politik nichts bringt. Sonst säßen ja jetzt „Die Partei“ und die APPD im Bundestag und wir hätten eine hübsche Zonenaufteilung (APPD), Freibier (APPD), legalisierte Schleichwerbung (Die Partei) und die Mauer wieder (Die Partei).

Haben wir aber nicht. Und bevor ich nächstes Jahr zur WM erklärt werden, wander ich lieber aus. Bundeskanzlerin bin ich / sind wir ja schon.

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