Dienstag, Januar 31, 2006

Vom Judas zum Jesus: Napster ist zurück.

Der Alptraum der Plattenindustrie wird zum Schoßhündchen. Oder war es die Plattenindustrie, die zum Schoßhündchen wurde? Eigentlich ist es ja auch egal. Napster ist ist wieder da, das Katzenlogo ganz groß kommt sogar Fernsehwerbung.

Ich persönlich muss mich daran erst noch gewöhnen, war Napster bis vor zwei Jahren noch die Piratenplattform schlechthin, die Verruchtheit in kompilierter Form, das Babel, der Alptraum, der Untergang der Plattenindustrie.

Jedenfalls nahm man das immer an. Sollte auch das nicht stimmen: So behauptete man immer. Musikpiraterie zerstört die Plattenindustrie.

Was die Plattenindustrie allerdings nicht verstanden hat ist, dass sie sich selbst kaputtgemacht hat und immer noch kaputt macht. DSDS, Popstars, SingStar, Fame Academy, die Goldene Stimme, wie sie alle heißen. Nette Sendungen die für kurze Zeit ansehnliche Quoten und für noch kürzere Zeit CD-Verkäufe des Gewinners produzieren.

Heinz Henn, ehemaliger(!) Musikmanager (auf der RTL-Seite steht, er sei es immer noch) ist hauptberuflich als Präsident von Take Two – sprich in der Spielebranche – unterwegs und sitzt derzeit in der dritten Staffel von Deutschland sucht den Superstar in der Jury. Er selbst ist aber der festen Ansicht, dass die Musikbranche selbst schuld an ihrem „Zerfall“ ist. Seiner Meinung nach zerstören schnelles Geld und schnellen Ruhm nicht nur den Charakter der Jung-Stars, sondern sorgen auch durch ein immer schnelleres Musikgeschäft dafür, dass keine Zeit bleibt, sich als „Star“ eine Identität aufzubauen und das Geschäft langsam kennen zu lernen.

Dass er das bei einem Vertrag mit RTL trotzdem in einem Interview sagen durfte, wundert mich. Wenn er es nicht durfte, dann um so mehr Respekt von meiner Seite.

Nun ja, auf jeden Fall ist Napster wieder da und macht Furore (nein, stimmt nicht, das war früher, in der Piratenzeit). Ganz nebenbei hat sich Napster meiner Meinung nach ganz übel ins Knie geschossen, in dem ein WMV-Format mit DRM verwendet wird. Vielleicht war das Flatrate-Modell mit dem AAC nicht möglich, ich weiß es nicht. Aber ich weiss auf jeden Fall, dass es bescheuert ist, die ganzen iPod-Benutzer auszuschließen. Liebes Napster-Team: Erst die iPods haben iTunes so groß gemacht. Vielleicht denkt ihr mal dran. Man kann nicht mit einer Armee von Billig- und Noname-Geräten (zumindest im Vergleich zum iPod) sich sozusagen zu Fuß aufmachen um von Rom nach Ägypten zu Reisen. Aber vielleicht habt ihr ja demnächst so ein Zugpferd, wer weiß? Ohne das wird es aber sicher ganz schön dünne werden. Obwohl ich euch mag.

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