Montag, März 13, 2006

(Todes)engel in weiss

„Schreib doch mal was über Sterbehilfe“, habe ich neulich gesagt bekommen. Ich soll also darüber schreiben, dass es in Deutschland Tiere, die eingeschläfert werden oder den Gnadenschuss bekommen, besser dran sind, als menschliche Patienten, denen mit lebenserhaltenden Maßnahmen fast jegliche menschliche Würde genommen wird.

Ich habe mich schon lange vor den Diskussionen in TV, Radio und Zeitung mit diesem Thema auseinandergesetzt und habe dabei mal so das eine oder andere überlegt:

  1. Wenn jemand verlangt, weil ihm selbst die Kraft dazu fehlt (Krankenhaus, Krebs etc...), dass ihm oder ihr ein Medikament verabreicht werde, warum sollte ihm diesen Wunsch niemand erfüllen?

  2. Wenn dieser jemand stark genug ist, hätte er die Möglichkeit, sich selbst umzubringen – und würde es wohl auch tun.

  3. Es heisst im Gundgesetz, die Würde des Menschen sei unantastbar. Warum entscheiden dann Ärzte und Gerichte, dass auch ein dem Menschen nicht würdiges Dasein, das bei vollem Bewusstsein dahinvegetieren, trotzdem als würdig zu schützen sei? Darf der Mensch nicht in Würde sterben, nach Möglichkeit ohne Schmerzen?

All das sind Fragen, die sich stellen. Es gibt – zum Glück – genug Menschen, die im Rahmen der Gesetze die „Schuld“ auf sich nehmen und zum Sterben Verurteilten ihren (vor-)letzen Wunsch erfüllen. Wobei die nächsten zwei Punkte auftauchen:

  1. Warum ist ein Stück Papier, unterschrieben, das Testament als der letzte Wille höher geachtet als der letzte Wille zu lebzeiten, vielleicht noch persönlich gesprochen und genauestens dokumentiert?

  2. Warum erlauben sich Staaten, Menschen zum Tode zu verurteilen, bestrafen aber einvernehmlich vorgenommene, aktive Sterbehilfe, amtsprachlich „Tötung auf Verlangen“? Zweiter Fall sollte eigentlich minder schwer bis gar nicht bestraft werden.



Bei Wikipedia wird das Problem der Sterbehilfe auch kritisch beleuchtet:

Die Sterbehilfe steht im Spannungsfeld zwischen Recht und Autonomie, zwischen Gesetz und Selbstbestimmung, zwischen staatlichem Anspruch und individuellen Persönlichkeitsrechten, zwischen Strafrecht und Notstand beziehungsweise Notstandshilfe, zwischen Medizin und Behandlungsabbruch, zwischen dem Retten von Leben und religiösen Aspekten. Die Abgrenzung der aktiven zur passiven Sterbehilfe oder auch der indirekten Sterbehilfe ist im Einzelfall schwierig. Dabei ist zu beachten, dass die indirekte fast nie, die passive manchmal und die aktive Sterbehilfe zumindest in Deutschland immer strafbar ist.

Hierbei sind die Arten der Sterbehilfe folgendermaßen aufgegliedert:

  • Aktive Sterbehilfe
    („Tötung auf Verlangen“,Euthanasie),

  • Passive Sterbehilfe
    („Unterlassung lebensverlängernder Maßnahmen bei Schwerkranken“),

  • Indirekte Sterbehilfe
    (Einsatz von lebensverkürzenden Medikamenten) und

  • Assistierten Suizid
    („Hilfe zur Selbsttötung“)

Allerdings muss ich dem Verfasser des obigen Zitats zumindest bei dem Argument, es gehe um religiöse Interessen wiedersprechen. Auch nicht-gläubige können durchaus in der Lage sein, sich einen Behandlungsabbruch zu wünschen. Das hat wie bereits gesagt, meiner Meinung nach sehr viel mehr mit Menschenwürde zu tun.

Demzufolge hat ein krankes Tier, das eingeschläfert wird, weil es Schmerzen oder andere, vom Tierarzt oder Besitzer scheinbar mehr Menschenwürde als ein Mensch. Kann das wirklich der Weisheit letzer Schluss sein? Leider ist es nicht am Volk, geschweige denn an Betroffenen, das letztendlich zu bestimmen, was man darf oder nicht. Und zum Glück gibt es immer noch Menschen, denen es letztendlich egal ist, was mit ihnen passiert, nachdem sie einem geliebten Menschen den wahrscheinlich größten Wunsch erfüllt haben.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Oh ja, Du hast so Recht mit dem was Du sagst bzw. schreibst! Die Tiere hier in Deutschland haben es besser als die Menschen. Ihnen kann man und werden die Leiden genommen.... Schade das die Menschen selbst auf Anfrage, nicht das bekommen wonach sie sich sehnen; in Würde sterben bzw. ein- oder entschlafen und zwar friedlich!

Ich hoffe das ändert sich noch....!!

Liebe Grüße und Kuss O:-)