Donnerstag, Juni 22, 2006

Gleichgültig

Ich dachte ja immer, ich bin nicht mit den Eltern „ausgestattet“, die ich gerne hätte und zugegeben – es gibt Momente, in denen sie echt nerven können, aber im großen und ganzen sind sie eigentlich OK.

Ich habe Freunde, die durften, bis sie volljährig waren, nicht einmal bei Freunden schlafen (umgekehrt übrigens genauso) und mussten abends um 12 zu hause sein. Sie haben von ihren Eltern vorgeschrieben bekommen, wie sie ihre Haare tragen durften.

Ich habe Freunde, bei denen die Eltern mehr „beste Freunde“ sind als Eltern und fand das immer cool. Mittlerweile nicht mehr. Die hatten mit ihren Eltern Spaß (haben sie immer noch) gehen mit ihnen in die Disco und ähnliches. Tischgespräche handeln bei ihnen fast ausschließlich von Sex und Frauen.

Ich bin sicherlich nicht prüde, und ich spreche selbst oft genug darüber (vielleicht auch zu oft), aber als Dauerthema ist das ganze doch sehr schnell sehr ermüdend.

Nein, ich bin – bis auf gelegentliche Anwandlungen von Anhänglichkeit – fast schon gesegnet. Manchmal scheint es sie zu stören, wenn ich einfach nur meine Ruhe haben möchte und mich verziehe, aber das verkrafte ich schon. Irgendwie. Wir sind ja eine Familie.

Leider ist Glück genau das Gut, das am ungerechtesten verteilt ist, scheint mir, denn es gibt in meinem Umfeld Menschen, die weder strenge Eltern, noch „Beste Freunde“-Eltern noch anhängliche Eltern haben.

Eltern, die auch ihre eigenen Hobbys, Freiheiten und ähnliches aus- und erleben sind dabei ja nicht unbedingt etwas schlechtes, denke ich. Jeder Mensch hat das Recht auf eine freie Entfaltung seiner Persönlichkeit – zumindest in Deutschland.

Aber es gibt Eltern, die ihre Kinder weitestgehend ignorieren, ihnen nicht zuhören, sie weder an ihrem Leben Teil haben lassen wollen, noch an deren Leben Teil haben wollen. Sie gehen mit ihren Kindern um, wie mit einem Fremden, einem Mieter, einem unerwünschten dazu.

Wir stellen uns einen Situation vor: Das Kind hat ein Zimmer in der Nähe seiner Ausbildungsstätte, die Ausbildung nähert sich dem Ende. Das Kind hat ebenfalls noch ein Zimmer in der Wohnung seiner Eltern und sucht mittlerweile eine Arbeitsstelle, sowohl in der Nähe der Ausbildungsstätte, als auch in der Nähe der Wohnung der Eltern und – schlussendlich – ganz davon abweichend – in der Nähe seines Partners.

Wenn man als Kind von den Eltern auf die Frage, „Was wäre, wenn ich bei euch in der Nähe Arbeit finde und hier wieder fest in mein Zimmer einziehe?“, zu hören bekommt, dass das allerschlimmste ist, was die Eltern sich vorstellen könnten, was soll man da denken?

Ist das eine Art mit seinen Kindern umzugehen? Grundlos, wohlgemerkt? Es gibt Kinder, bei denen kann ich eine solche Reaktion durchaus nachvollziehen, aber die liegt hier nicht vor. Ganz sicher nicht.

Wie kann einem sein eigenes Kind so egal sein? Wie kommt man zu so einer Ablehnung? Kann mir das bitte jemand erklären?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo,

leider kann ich das nicht erklären, aber ich weiß das es sehr sehr weh tut, so etwas von den eigenen Eltern zu hören. Jedes andere Elternteil wäre doch froh wenn sein Kind einen Arbeitsplatz bekäme, egal wo.Die meisten freuen sich wohl eher wenn das Kind erstmal wieder nach der Ausbildung in einer anderen Stadt, zurück käme und in der Nähe der Eltern etwas fände. ich kann es NICHT verstehen!!!

Lieben Gruß